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Pensionen: Es wird nie wieder, wie es einmal war!

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Pensionen: Es wird nie wieder, wie es einmal war!

Die Altersvorsorge ist ein heißes Thema im Wahlkampf. Die Wirtschaftskammer will die Pensionen der Jungen sichern und fordert deshalb Reformen. Experte Walter Worresch, Obmann des „Vereins der Pensionsbeitragszahler“, erklärt im TW spezial-Interview, wie es um die Pensionen aktuell bestellt ist.

TIROLER WIRTSCHAFT

(14. August 2013)

Die Altersvorsorge ist ein heißes Thema im Wahlkampf. Die Wirtschaftskammer will die Pensionen der Jungen sichern und fordert deshalb Reformen. Experte Walter Worresch, Obmann des „Vereins der Pensionsbeitragszahler“, erklärt im TW spezial-Interview, wie es um die Pensionen aktuell bestellt ist.

Tiroler Wirtschaft spezial: Erst kürzlich hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer gemeint, beim Pensionssystem „fehlt zur Stunde nichts“. Teilen Sie diese Ansicht?

Worresch: Wenn man Zuschüsse ins System in der Höhe von 18 Milliarden Euro als „nichts“ bezeichnet,  dann hat er Recht. Und das, obwohl sich das System demographisch heute fast in einer  Idealsituation befindet. Der wahre Hammer kommt erst. Wenn man die Ansprüche der Zukunft in die  Rechnung mit einbezieht, dann stehen wir bei einer Schuld von über 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Was erwartet die Pensionsbezieher in fünfzehn Jahren?

In fünfzehn Jahren beginnen die so genannten Babyboomer, also die geburtenreichen Jahrgänge, in  den Ruhestand zu gehen. Das heißt, dass Tausende aufhören, Beiträge zu zahlen. Damit ist es aber  nicht getan. Dieselbe Anzahl wird ja gleichzeitig zum Pensionsbezieher und somit zum  Leistungsempfänger.

Wie wirkt sich die Schieflage im Pensionssystem langfristig auf den Wirtschaftsstandort aus?

Wenn der Staat finanziell in Bedrängnis kommt, dann ist er gezwungen, neue Einnahmemöglichkeiten zu erschließen. Dass hier auch Maßnahmen getroffen werden, die nicht immer langfristig wirtschaftlich sinnvoll sind, ist fast selbstverständlich.

Die Arbeitnehmervertreter blocken sowohl in Bezug auf eine  generelle Anhebung des Pensionsalters als auch in Bezug auf eine Angleichung bei Männern und  Frauen ab. Zu Recht?

Beides sind unpopuläre Maßnahmen, die in Wahljahren naturgemäß nicht sehr gern thematisiert  werden. Ohne gravierende Eingriffe wird aber eine Sicherung der Finanzierungsfähigkeit nicht zu  gewährleisten sein.

Ein häufig geäußerter Vorbehalt in dieser Frage lautet, es gäbe für ältere Beschäftigte keine  Arbeitsplätze. Ist das in dieser Form richtig?

Dieses Problem löst sich in der Zukunft alleine schon durch die demografische Entwicklung. Es wird eine Zeit mit akutem Arbeitskräftemangel auf uns zukommen.

Das Sozialministerium spricht immer von einer langfristigen Entlastung des Systems. Wann tritt diese  ein?

Erst in fünfzig Jahren, nach der Generation der Babyboomer. Doch die späte Entschärfung des  Problems löst die prekäre Situation der heutigen Generation überhaupt nicht. Und, es wird NIE wieder,  wie es einmal war. DasVerhältnis Beitragszahler zu Pensionisten mit 5 zu 1 oder 4 zu 1 ist Geschichte, da in Zukunft die Bevölkerungspyramide dauerhaft flacher verläuft.

Im Wahlkampf setzen sich alle  Parteien für „sichere Pensionen“ ein – allerdings mit völlig anderen Modellen. Was müsste aus Ihrer Sicht getan werden, damit die Pensionen sicher bleiben?

Die „sicheren  Pensionen“ beziehen sich ja immer auf die heutige Situation. Keine der Parteien hat ein  Konzept für die kommenden zwanzig, dreißig, vierzig Jahre. Eine Finanzierung in der Zukunft kann nur  unter Einbeziehung ALLER Bevölkerungsteile – auch der heutigen Pensionisten – geschehen.

KLARTEXT REDEN

Von Jürgen Bodenseer

Wer sich für Reformen im Pensionssystem ausspricht, dem wird „soziale Kälte“  vorgeworfen. Doch das ist ein grobes Missverständnis. Es geht nicht darum, den  jetzigen Pensionisten etwas wegzunehmen, sondern die Lasten gerecht aufzuteilen und zukünftigen Generationen die Chance zu geben, mit Würde in Rente gehen zu  können. Das wird nur möglich sein, wenn wir die Augen vor der Realität nicht  verschließen.

Diese sieht nämlich so aus: Die demographische Entwicklung bringt es mit sich,  dass in 15 Jahren ein Heer von Pensionisten einer überschaubaren Zahl an  Beitragszahlern gegenübersteht. Dieser Entwicklung hätte im Grunde schon 30 Jahre lang entgegengesteuert werden müssen. Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist.  Um den Generationenvertrag einigermaßen zu erfüllen und einen Kollaps des Pensionssystems, der sich auch auf den Wirtschaftsstandort negativ auswirkt,  abzuwenden.

Doch die Reformverweigerer verdrehen die Fakten und suchen die Schuld bei  derWirtschaft. Die Betriebe würden zu vieleTeilzeitbeschäftigte anstellen, weil zwei Mal Teilzeit günstiger sei als ein Mal Vollzeit. Doch das stimmt nicht. Sie behaupten  auch, eine Anhebung des Pensionsalters würde nicht funktionieren, weil Ältere keine  Arbeit bekommen würden. Davon, dass zu geringe Anreize für längeres  Arbeiten und zu niedrige Abschläge bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem  Arbeitsleben vorliegen, wird nicht geredet. Manche gehen gar davon aus, dass die  steigende Lebenserwartung durch Produktivitätssteigerungen ausgeglichen werden  könnte. Auch das bleibt leider eine Wunschvorstellung.

Es hilft alles nichts: Mit diesen Ausreden muss Schluss sein. Echte Reformen tun  weh, sind aber unumgänglich. Sonst zahlen unsere Kinder und Kindeskinder die  Zeche. Und die Unternehmer, die immer zur Kasse gebeten werden, wenn am  Schluss eine Rechnung offen bleibt. Retten, was zu retten ist.

juergen@bodenseer.com